Mittwoch, 21. Oktober 2015

#4 Mirleft, Marokko

Wir sind heile angekommen! :-)

Dafür, dass ich mir bis zum Abflug gar nicht so den Kopf gemacht hatte, ging am Dienstag dann alles total schnell. Um 8 Uhr bin ich zu der Familie gefahren, mit der ich jetzt hier in Marokko lebe. Um halb 9 sind wir nach Hannover zum Flughafen gefahren (natürlich gab’s Stau auf der A2), und um 11:50 saßen wir im Flugzeug und sind gestartet. 
Während des Fluges wurde ich Experte im „Lego Chima“ und Mau Mau spielen, da ich neben dem Kleinsten saß und dadurch gut unterhalten wurde (auch wenn ich zwischendurch eingeschlafen bin). :-)



Um 14 Uhr (marokkanische Zeit; 1 Stunde Zeitverschiebung), standen wir dann auf afrikanischem Boden, in Agadír, und hatten erst mal zu kämpfen mit unserem Gepäck und den 2 Fahrrädern, die wir aus Deutschland mitgenommen hatten. Das Gepäck, die Räder und wir sollten nämlich alle in einen kleinen Bus passen, wir hatten noch 2 Stunden Fahrt nach Mirleft vor uns.
Der Kofferraum war bis oben hin gefüllt, auf dem Dach hatten sie unsere Räder festgeschnallt, im Bus selbst hatte ich nicht mal einen Gurt zum Anschnallen. :-D 
Mir gefiel es auf Anhieb total gut in Marokko. Morgens in Deutschland gestartet, hab ich mir den Arsch abgefroren, es war schweinekalt und grau und der Winter im Anmarsch. 
Als wir in Agadír aus dem Flugzeug gestiegen sind, wurden wir von warmem Wind und der Sonne empfangen. Es war generell warm, und allein das brachte uns alle zum Lächeln.

Nach ca. einer Stunde Fahrt im Kleinbus haben wir eine Pause in einer kleinen Seitenstraße gemacht, wir hatten alle Hunger und man sollte dort super Tajine essen können.
Zuerst haben wir ein paar Brote gekauft, sind über den Markt gegangen, der gleich nebenan war, und haben ein paar Früchte und Datteln mitgenommen. 
In Marokko, muss man dazu sagen, ist vieles billiger als in Deutschland. Das Verhältnis ist ungefährt 1:10, man bekommt also für einen Euro 10 Dirham. Für 8 Brote (vergleichbar mit kleinen Fladenbroten) haben wir ca. 8 Dirham gezahlt, für ein paar Bananen, Mandarinen und Granatäpfel nur insgesamt 10 Dirham. Insgesamt haben wir also für nicht mal 2 Euro ziemlich viel bekommen, das ist schon ganz schön krass. 
Da wir alle ziemlich hungrig waren, haben wir uns in ein Restaurant in der kleinen Straße gesetzt, in das man sich als Touri wahrscheinlich niemals trauen würde und haben eine Tajine bestellt. Der Taxifahrer ist auch mitgekommen und hat mitgegessen. :-D 
In Marokko isst man die Tajine allerdings besonders. Man hat super viel Brot (die Fladenbrote), das einfach in Stücke gerissen und an jeden verteilt wird. Dann reißt man sich immer kleine Stücke davon ab und tunkt das Stück Brot in die Tajine. Gleichzeitig drückt man mit seinem Daumen etwas von dem Gemüse oder Fleisch ans Brot und steckt dann beides zusammen in den Mund. Besteck und Teller gibt es meistens nicht, Teller wenn dann nur für Knochenreste vom Fleisch. Und insgesamt ist es eine ziemlich schmierige Angelegenheit, aber es ist einfach total lecker. :-D 

Nach einer weiteren Stunde Fahrt, vielleicht auch etwas länger, durch die marokkanischen Straßen und in den Sonnenuntergang hinein, waren wir endlich da. Schon während der Fahrt hab ich gemerkt, wie wohl ich mich fühle. Die Wärme, das Wetter, die Geräusche, die Menschen.. das alles hat irgendwie etwas entspannendes und beruhigendes. 






Wir wohnen bei einem sehr guten, jahrelangen Freund der Familie, mit dem sie sich quasi das Haus teilen. Die unterste Etage bewohnt er mit seiner Frau und der kleinen Tochter, und die Etage darüber wir. 
Allerdings haben sie das Haus ausbauen lassen, seitdem sie das letzte Mal in Marokko waren, mittlerweile gibt es noch 2 Etagen mehr, die aber leider noch nicht fertig sind. Wir sind gerade dabei, es uns gemütlich einzurichten und die 2. Etage soweit fertig und bewohnbar zu machen.
Als wir ankamen, wurden wir von der Frau des Freundes und ein paar seiner Schwestern begrüßt. Zur Begrüßung geben sie sich hier „Bisous“, also Küsschen auf die Wangen. Ich hab bis heute nicht raus, wer die Bisous wie macht. Irgendwie hat jeder eine andere Art und Weise. Die eine küsst einen links-links-links, die andere links-rechts-links, die nächste links-rechts-rechts… verwirrend.
Wir sind schnell hoch gegangen, haben unsere Koffer abgestellt, uns umgeguckt und die Wohnung angeschaut und sind dann sofort wieder raus auf den „Souk“. So nennen sie hier eine längere Straße, in der es rechts und links viele kleine Läden gibt. Von Besenstielen bis zu Nutella kann man dort alles kaufen.
Wir haben uns gebrannte Mandeln geholt und sind den Souk entlanggegangen. Ungefähr jeder 2. Marokkaner kam sofort auf uns zu und begrüßte uns, da sie die Familie hier anscheinend so gut wie alle kennen. :-D Jedenfalls haben sie sich total gefreut, dass wir hier in Mirleft sind. 
Die Marokkaner sind generell sehr offen und freundlich und eigentlich jeder, der einem auf der Straße begegnet, lächelt einen an und grüßt mit einem „Salamaleikum, labas?“. :-)

Nachdem wir also gefühlte 289 Marokkaner begrüßt hatten, haben wir marokkanischen Tee in einem Café getrunken, das wir das „gelbe Café“ nennen (ja, weil es gelb ist). 
Den Tee hier zuzubereiten ist eine echte Kunst. Es gibt eine Teekanne mit dem Tee, ein paar kleine schmale Gläser, Minze und ganz viele große Stückchen Zucker. In die Kanne zu dem Tee wirft man dann ein paar Blätter Minze und zwei bis drei (gerne auch vier) Stücke Zucker (die nicht würfelgroß sind wie in Deutschland, sondern rechteckig und 2-3fach so groß).
Dann gießt man den Tee in zwei oder drei Gläser, und zieht beim Eingießen die Kanne in die Höhe, sodass Schaum entsteht. Bevor der Tee dann auch wirklich getrunken werden kann, wird er aus den zwei/drei Gläsern wieder zurück in die Kanne gegossen. Das wird so lang wiederholt, bis der Zubereitende entscheidet, dass der Tee nun gut genug ist. Dann wird er endgültig auf die Gläser verteilt und endlich auch getrunken! :-D (Schmeckt echt super, man hat sich schon richtig dran gewöhnt)

Wir sind dann auch bald nach Haus gegangen und haben uns aufs Ohr gehauen. Der Tag war ziemlich anstrengend, wir waren von 8 Uhr morgens bis 20 Uhr abends unterwegs und alle ziemlich müde und kaputt. 

„Welcome to Africa!“




Bis dahin,

-Merle-

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen