Freitag, 29. April 2016

#11 Vier Tage am Plage Blanche

Mitte November beschlossen wir, eine Tour zum Plage Blanche zu machen. Inklusive Übernachtung am Strand. 
Der "Plage Blanche" ist ein ca. 35 km langer Strand im Süden Marokkos. Er grenzt direkt an die Wüste und ist man erstmal dort, sieht man um sich herum nichts anderes als Dünen, noch mehr Sand und das Meer. :)

Zuerst mussten wir das Auto packen und uns genau überlegen, was wir alles brauchen würden die nächsten Tage. Dabei muss man echt an alles Mögliche denken. Denn wenn man plant, für ein paar Tage am Strand zu schlafen, gehört zum Repertoire nicht nur Essen und Trinken. Dann muss man noch an Zelte denken, an Schlafsäcke, Decken, Schutzmöglichkeiten vor der Sonne (im November ist es im Süden Marokkos nämlich noch richtig schön warm und nicht so schweinekalt wie in Deutschland :P) und und und. Außerdem waren wir zu siebt plus Cinthy, unseren kleinen Hund. Weshalb wir ausreichend Versorgung einplanen mussten. Irgendwann war das Auto voll und trotzdem hatten wir das Gefühl, irgendetwas vergessen zu haben...wie immer. :D

Nach ca. 3 Stunden Fahrt waren wir endlich da. Wir hatten extra nachgeschaut, um welche Zeit Ebbe und Flut sein sollte, weil man nur bei Ebbe mit dem Auto an den Strand kommt und auf dem nasseren Sand fahren kann. Da wir allerdings so viele Leute waren, mussten wir zwei Mal fahren. 
Ich war in der Gruppe, die sich zuerst auf den Weg gemacht hat. 
Und so sind wir dann runter zum Strand und bestimmt eine halbe Stunde einfach mit Vollgas am Strand entlang gefahren. Wir haben uns in die geöffneten Fenster gesetzt und die Köpfe in den Wind und die Sonne gehalten. 
Auf der Suche nach einem geeigneten Schlafplatz haben wir fast noch ein paar Möwen mitgenommen, aber letztendlich hatten wir unseren perfekten Platz inmitten der Dünen am einzigen größeren Busch, der weit und breit am Strand wuchs. :D

Anfangs meinten wir noch, wir hätten total Lust auf ein Abenteuer hier am Strand. Und das Abenteuer sollte auch nicht lange auf sich warten. Wir sind nämlich mit dem Jeep etwas zu weit in den trockenen Sand gefahren, und wie sollte es anders sein? Natürlich sind wir stecken geblieben. :D Nun mussten wir also nicht nur unsere ganzen Klamotten aus dem Auto ausladen, sondern auch noch irgendwie unser Auto aus dem Sand bekommen. 
Das wäre an sich kein Problem gewesen, und wäre sicherlich irgendwie gegangen, aber wir standen ETWAS unter Zeitdruck. Denn die Flut kam und das Wasser kam langsam, aber merklich immer näher zu uns hoch. Und die anderen warteten schließlich darauf, bald abgeholt und zu uns gebracht zu werden. 
Also haben wir in Windeseile den Jeep entladen. Gott sei Dank hatten wir (in weiser Voraussicht) in der Wüste noch ein paar größere Steine mitgenommen. Die konnten wir hinter die Räder klemmen und dann Schritt für Schritt rückwärts aus dem Sand fahren. 
Nach einer halben Stunde Arbeit und (Angst-)Schweiß konnten wir endlich wieder zurück fahren und den Rest abholen. 
Es ging also nochmal alles gut. :D 

Die nächsten Tage haben wir vor uns hin gelebt, sind die Dünen runtergesurft, waren am Meer und hatten einfach mal nur Zeit für uns. So abgeschnitten von der Außenwelt, ohne Internet- oder sonstigen Handyempfang und keinen Geräuschen außer dem Meeresrauschen ließ es sich echt gut aushalten. Tagsüber war es wirklich heiß und die Sonne hat gnadenlos auf uns runtergeschienen. Das durfte man gegen Abend dann aber nicht unterschätzen, denn abends wurde es ziemlich kalt! Den ersten Abend haben wir noch unter freiem Himmel geschlafen, die nächsten Nächte dann aber in Zelten, weil es windig wurde und anders nicht auszuhalten. 

Den Sonnenuntergang konnten wir auf den Dünen sitzend anschauen und ab und zu kamen nachmittags Fischer vorbei, denen wir ein paar Fische abkauften, die wir dann gegrillt haben. Außerdem bot der Strand einen super Übungsplatz zum Autofahren für die Jungs. :P

Eigentlich waren auch nur 2 Nächte geplant, spontan haben wir aber beschlossen, dass wir noch eine Nacht länger bleiben wollten. Da wir allerdings nicht genug Vorräte dafür eingeplant hatten, sind wir den Strand hochgefahren, auf der Suche nach Menschen die dort vielleicht leben und die eventuell noch Brot für uns haben würden. Und tatsächlich: fast am Ende des Strandes stand eine Hütte, bei der wir noch Brot kaufen konnten. :)

Nach den vier Tagen am Strand waren wir glücklich, entspannt und erholt, haben uns aber auch auf eine Dusche zu Hause gefreut. Es ist wirklich erstaunlich, WIE VIEL Sand man überall am Körper kleben haben kann... :D

Bis dahin,

-Merle-
























Sonntag, 27. März 2016

#10 Mopedtour in die Berge

Im November haben wir eine wunderschöne Mopedtour in die Berge gemacht.
Es sollte zu Mohammet's Familie gehen, die in einem kleinen Dorf oben in den Bergen wohnt.

Morgens, nachdem wir einen Kaffee auf dem Souk getrunken hatten, sind wir zum Mopedverleih gelaufen, haben uns jeder ein Moped ausgeliehen und dann ging's los. 
Hier in Marokko geht das mit den Verkehrsmitteln etwas "lockerer" zu. :D Selbst Joshi, der erst 13 Jahre alt ist, darf alleine Moped fahren. 
Das Fahren an sich ist auch gar nicht schwer. Es gibt keine Gangschaltung, bloß das Gas und die Bremse. Schwer ist es nur teilweise die Dinger anzubekommen. Man muss nämlich mit dem Fuß in die Pedale treten und gleichzeitig den Anzünder drücken und Gas geben... da kann es dann schonmal etwas länger dauern, bis man loskommt. :D 
Als dann also alle endlich ihre Mopeds gestartet hatten, konnte es losgehen. Für mich war es das erste Mal auf einem Moped, daher war das Ganze ziemlich aufregend. :) 

Es hat total Spaß gemacht mit den Mopeds über Stock und Stein zu rasen. Und die Landschaft, auf die man unterwegs teilweise einen Blick erhaschen konnte (während des Fahrens ist es schwer, sich viel umzuschauen, weil man so beschäftigt damit ist, Moped zu fahren) war sagenhaft. Man konnte kilometerweit schauen, sah auf der einen Seite Berge, Berge, Berge und auf der anderen Seite das Meer... Nur seinen Helm musste man festhalten, denn der war eher zur Zierde, als zu Sicherheit vorhanden. Zwar gibt es auf den größeren Straßen eine Helmpflicht, aber die Helme sitzen so locker auf dem Kopf, dass sie durch den Fahrtwind eher wegfliegen, als wirklich auf dem Kopf zu bleiben. :D

Insgesamt waren wir ca. eine Stunde unterwegs, bis wir dann bei Mohammet's Familie ankamen. 
Sie wohnen total einfach in Lehmgebäuden mit ihren Tieren zusammen unter einem Dach. :) Wir saßen bestimmt drei Stunden zusammen mit Mohammet's Mutter und ein paar seiner Schwestern und haben selbstgebackenes Brot, selbstgemachte Butter, Arganöl und Amlou bekommen. 
Die Familie stellt Vieles selbst her, was wirklich lecker ist, aber wenn man mal drüber nachdenkt auch echt viel Arbeit bedeutet. An einem Liter Arganöl sitzt man ungefähr 15 Stunden..!
Nach dem leckeren Berber-Frühstück waren wir schon beinahe satt, als Mohammet meinte, das sei erst die Vorspeise gewesen. Wir haben nicht schlecht gestaunt, als uns eine große Tajine auf den Tisch gestellt wurde. Die war allerdings auch so lecker, dass wir nicht darauf verzichten konnten. 
Also lagen wir die nächsten Stunden kugelrund aber sehr zufrieden mit dem Gesicht in der Sonne und haben gequatscht und die Ruhe und frische Luft genossen.

Bevor wir wieder aufbrechen wollten, meinte Mohammet's Schwester ich solle unbedingt noch ihren Berber-Kayal ausprobieren und mir eines ihrer Tücher umbinden. Zuerst wollte ich das gar nicht, aber sie ließen mir nicht wirklich eine Wahl. Also stand ich ein paar Minuten später in ein orangefarbenes Tuch gewickelt, mit schwarz umrandeten Augen da, was die Jungs natürlich ganz lustig fanden. :D Ich persönlich fand es ziemlich unangenehm in das Tuch gewickelt umher zu laufen, weil ich es nicht gewohnt war und ich in meiner Bewegungsfreiheit auch echt eingeschränkt war. So war ich dann ziemlich froh, als ich es wieder ausziehen konnte. 

Gegen frühen Nachmittag haben wir uns dann wieder auf unsere Mopeds geschwungen und sind zurück Richtung Mirleft gefahren. Auf dem Rückweg sind wir noch am "Sidi Ouafi" vorbeigekommen, einem Strand vor Mirleft, an dem wir einen kleinen Zwischenstop gemacht und die Abendsonne genossen haben. 
Dabei sind ziemlich coole Bilder rausgekommen, die Thomas geschossen hat.

Die Mopedtour war echt cool, und das war auch nicht das letzte Mal, das wir auf Mopeds saßen. Wir haben die Mopedtour noch zwei weitere Male mit Freunden gemacht und jedes Mal waren alle genauso begeistert wie wir, bei unserem ersten Mal. :)

Bis dahin, 

-Merle-














Mittwoch, 9. März 2016

#9 Meistens kommt es anders, als man denkt

Lang lang ists her, dass ich hier etwas erzählt habe...

Deshalb nur ein kurzer Überblick darüber, wie sich alles entwickelt hat:


Eigentlich wollte ich von Anfang Oktober bis Anfang Januar in Marokko leben und danach wieder nach Hause fliegen um mir einen Studienplatz zu suchen. 


Die drei Monate waren auch echt toll, ich habe Vieles erlebt und Neues kennen gelernt. Vor allem die letzten Wochen habe ich sehr genossen in Mirleft. Das war anfangs nicht ganz so, muss ich zugeben. Die ersten eineinhalb Monate habe ich viel an zu Hause gedacht, und daran, was meine Familie und Freunde gerade tun. Ich hab mich zwar wohl gefühlt, aber trotzdem dachte ich ständig, dass ich froh wäre, mal wieder zu Hause vorbei schauen zu können...
Nach eineinhalb Monaten war es, als hätte sich ein Schalter umgelegt. Mittlerweile kannte ich so viele tolle Leute und auch die Kultur und das "How-to" in Marokko, sodass ich gar nicht mehr an den Tag denken wollte, an dem wir wieder nach Deutschland fliegen würden. 
Und ich kann nur jedem raten, der darüber nachdenkt für längere Zeit ins Ausland zu gehen, ES EINFACH ZU TUN! Klar, am Anfang ist es schwer und man muss sich eingewöhnen und man hat Heimweh. Aber allein für den Moment, in dem einem klar wird, dass man sich an einen fremden Ort gewöhnt hat und sich dort zu Hause fühlt... allein für diesen Moment lohnt sich das Ganze! :)


Wir hatten wirklich schöne Wochen in Mirleft! Den Unterricht mit den Jungs haben wir problemlos gemeistert, wir sind in unserer großen Familie zusammengewachsen und haben uns lieb- und marokkanische Freunde dazugewonnen. Außerdem haben wir echt ziemlich coole Ausflüge gemacht, wie z.B. 4 Tage, in denen wir an den "Plage Blanche" gefahren sind, vollausgestattet, um 3 Nächte in den Dünen zu übernachten. Viel mehr gibt es dort nämlich auch gar nicht. :D Bloß das Meer, 40 km Strand, Dünen und dahinter die Wüste. Oder ein Kurzausflug nach Tafroute zu den "Painted Stones". Oder unsere Tour nach Marrakesh und Essaouira, mit dem Bus, fünf Tage lang. :)

Wir haben so viele tolle Erinnerungen an unsere Zeit in Marokko, an die ich mich immer gern zurückerinnern werde.

Im Dezember haben wir viel Besuch von Freunden aus Deutschland bekommen und das Ende unserer Zeit in Mirleft rückte immer näher. 

Anfang Januar ging es schon wieder zurück nach Hause. Aber das sollte noch nicht das Ende meiner Reise sein. :) Im November habe ich mich nämlich dazu entschlossen, auch noch mit nach Sri Lanka zu kommen. Die Familie hatte vor, im Februar einen Monat auf Sri Lanka zu verbringen und sie boten mir an mitzukommen. 
Der Monat auf Sri Lanka ist mittlerweile auch schon vorbei und auch dieses Land ist einfach wunderschön und einen Besuch absolut wert! Rund um die Uhr ist man umgeben von grünstem Grün und kunterbunten Farben. Auf Sri Lanka herrscht ein wundervolles Durcheinander an Saris aller Farben, leckerem Tee, den verschiedensten Pflanzen, Gewürzen und Sarongs. Egal wohin du kommst, jeder Srilankaner und jede Srilankanerin schenkt dir ein freundliches und schönes Lächeln. Viele Einheimische finden uns "Weiße" besonders und interessant und wollen ständig Selfies mit einem machen, was schon ungewohnt und auf Dauer etwas unangenehm ist... Aber wenn sie dann mit ihrem Kopf wackeln, von links nach rechts, "Hari, hari" sagen und dich anstrahlen, kannst du es ihnen kaum abschlagen. :D

Und wie sollte es anders sein? Mittlerweile bin ich schon wieder in Marokko. Das war auch eine spontanere Entscheidung, die ich erst so richtig getroffen habe, als wir Marokko im Januar verlassen haben. Mir hat es hier so gut gefallen, dass ich das Gefühl hatte, ich muss einfach nochmal wiederkommen. Und gerade fühlt es sich auch so an, als wäre es die beste Entscheidung gewesen. Besser hätte ich meine letzten Monate wirklich nicht verbringen können. 


Tja...meistens kommt es eben anders, als man denkt. :)




Donnerstag, 3. Dezember 2015

#8 Tiznit, Taxen, Klebstofftuben

Salamaleikum!

In unserer zweiten Woche hier in Marokko haben wir einen Tagesausflug nach Tiznit gemacht, einer nahegelegenen, größeren und schon ziemlich touristischen Stadt. Wir waren zu fünft und wollten mit dem Taxi in die 50 km entfernte Stadt fahren. 
Die Taxifahrt war sehr... abenteuerlich. :D

TAXIFAHREN IN MAROKKO:
Vorne sitzen zusätzlich zum Fahrer 2 Leute, hinten kuschelt man zu viert. Solange keine 6 Personen für eine Fahrt zusammen kommen, fährt der Taxifahrer grundsätzlich nicht los. Man wartet also so lange, bis alle Plätze belegt sind, es sei denn man bezahlt die fehlenden Personen aus eigener Tasche. Die Fahrt war ziemlich lustig. Während ich vorne saß und Mühe hatte, meine rechte Schulter davor zu bewahren, nicht vollkommen zerquetscht zu werden, mussten wir ständig über die Fahr- und Verhaltensweise des Fahrers lachen, der während der Fahrt SMS schrieb und ordentlich Gas gab. Die ganzen alten Autos, die in Deutschland gar nicht mehr zugelassen wären, fahren hier als Taxen herum und halten e-w-i-g. Unser Taxi, ein alter Mercedes, sah aus, als würde er jeden Moment auseinander fallen und das Tacho war längst kaputt. 

Nach 40 Minuten und eingeschlafenen Beinen waren wir endlich da und erlebten eine etwas größere Stadt, als wir sie bisher gewohnt waren.
Die meisten Frauen, so kam es mir vor, verschleierten sich noch mehr als in Mirleft. Sie trugen die Tücher nicht nur um Kopf und Körper, sondern wickelten sie sich sogar vor Mund und Nase, sodass man nur noch ihre Augen sehen konnte. Wenn sie nicht gerade noch einen Hut aufhatten.

Der eigentliche Grund für unsere Fahrt nach Tiznit waren Fliesen und Möbel, die wir besorgen wollten. Wir waren auch sehr erfolgreich und fanden zwei Sofas für eine Sitzecke mit passenden Kissen und schöne Fliesen, die wir in Arbeit gaben. Wir haben sogar zugesehen, wie die Fliesen hergestellt wurden - per Hand natürlich - und durften selbst mal ausprobieren, eine Fliese anzufertigen.

Was wir vor der Rückfahrt nach Mirleft erlebten, war dagegen eher weniger schön. Am Taxiplatz warteten wir auf zwei weitere Mitfahrer, da das Taxi noch nicht voll war. Da kam auf einmal ein Junge zu uns und fragte nach ein paar Dirham. An sich nichts Ungewöhnliches, aber der Junge wirkte total neben der Spur und man sagte uns er sei "verrückt". Wenn die Leute hier nicht so ticken wie die anderen und sich selbst verloren haben, erklärt man sie generell erst mal für verrückt. So auch dieser Junge, der wahrscheinlich seine Eltern und jegliche Aussicht auf ein sicheres und beschütztes Leben verloren hatte. Der Junge, der so klein und verloren wirkte und von uns keine Dirhams bekam, weil wir wussten was er sich davon kaufen würde, hockte sich also vor ein nahestehendes Taxi und holte eine Plastiktüte aus seiner Jackentasche. Dann nahm er eine Tube Klebstoff aus einer anderen Tasche, füllte etwas vom Klebstoff in die Plastiktüte und tat drei, vier tiefe Atemzüge. 
Direkt vor unseren Augen verwandelte er sich in einen tanzenden, Liegestützen machenden, tatsächlich verrückt wirkenden Jungen. Ehrlich gesagt war dieser Anblick ziemlich schlimm, und auch wenn ich weiß, dass so etwas genauso bei uns in Deutschland passiert, war ich ziemlich geschockt. Ich war froh, als unser Taxi voll war und wir losfahren konnten.











Bis dahin,





-Merle-

Samstag, 21. November 2015

#7 Traditionen

Wir machen jetzt seit gut vier Wochen regelmäßigen Unterricht mit den Jungs und haben von Montag bis Freitag einen geregelten Stundenplan. Das klappt auch alles soweit super, wir sind gut in der Zeit und die Jungs haben kaum Probleme beim selbstständigen Aufarbeiten des Unterrichtsstoffes.
Wer also bisher behauptet hat, man könne nicht privat und selbstständig den Schulstoff aufarbeiten und müsse eine staatliche Schule besuchen, um sich zu bilden, dem kann ich hiermit getrost sagen, dass das sehr wohl geht. :)  Wir haben hier sogar schon andere Familien getroffen, die viele Länder bereisen und ihre Kinder selbst unterrichten. Am Strand haben wir eine Frau kennengelernt, die ihren Sohn seit 2 Jahren selbst unterrichtet und die uns erzählt hat, dass das super funktioniert. Erst letztens habe ich einen Artikel über einen Jungen gelesen, der nie zur Schule gegangen ist und trotzdem sein Abitur (erfolgreich) absolviert hat.
Man muss nicht immer mit dem Strom schwimmen. Es gibt viele Wege zum Ziel...

Noch relativ am Anfang unserer Zeit hier in Mirleft haben wir zwei holländische Familien kennengelernt, die hier Urlaub und Yoga gemacht haben. Zusammen mit ihnen sind drei von uns zum "Legzira" gefahren. 
Legzira ist ein wunderschöner, langer Strand umgeben von Klippen und  Gestein. Außerdem haben sich mit der Zeit "Löcher" in den Klippen gebildet, durch die man am Strand laufen kann. Bei gutem Wetter oder Sonnenuntergang ist der Blick dort atemberaubend schön. Wir hatten das Pech, dass es angefangen hat zu regnen, als wir ankamen. Leider waren es nicht nur ein paar Tropfen, sondern genau an dem Tag Fluten, die vom Himmel fielen. Also sind wir im strömenden Regen am schönen Legzira-Strand entlang gegangen und konnten unsere Klamotten hinterher auswringen. Hatte auch was. Und da wir nicht aus Zucker sind, hatten wir trotzdem viel Spaß und einen wunderbaren Nachmittag.
(Leider hatte ich meine Kamera nicht dabei und daher kein privates Foto)

http://travel.nationalgeographic.com/travel/365-photos/legzira-beach-morocco/
Abends haben wir noch mit den Holländern am Aftas zusammen im Café Tajine gegessen. Der Strom ist ausgefallen ("welcome to africa"), aber das schuf eine umso schönere Atmosphäre. Wir haben überall Kerzen verteilt und so bei Kerzenschein in netter Runde gegessen.

Die Wände bei uns zu Hause sind mittlerweile fertig. Es sieht nun schon viel bewohnter aus, haben wir ziemlich gut hinbekommen. Die Wände sind zur Hälfte in einem warmen Erdton gestrichen und mit Ornamenten verziert. Das Schöne an der Aktion ist, dass wir es selbst gemacht haben. Wenn ich irgendwann nochmal wiederkomme und die Wände sehe, weiß ich genau, dass ich dabei geholfen habe sie zu streichen und erinnere mich daran, was für eine tolle Zeit ich hier gehabt habe.

Was uns hier etwas zu schaffen macht, ist die Situation der marokkanischen Frau der Familie mit der wir hier leben. Aus religiösen und traditionellen Gründen ist sie eigentlich den ganzen Tag über zu Hause und geht kaum raus oder generell unter Leute. Viele Frauen kommen wenigstens zum Sonnenuntergang aus dem Haus, treffen sich mit anderen Frauen, sitzen an den Straßenrändern oder vor den Türen an den Hauswänden und unterhalten sich. Aber sie tut das nicht. Er möchte nicht, dass sie tagsüber durch die Stadt geht oder unter Leuten ist, weil er Angst um sie hat. Das hat er uns erklärt. Er möchte nicht, dass andere Männer sie sehen, hat Angst sie zu verlieren. 
Ich glaube wir können das nicht so einfach verstehen, wir sind ganz anders aufgewachsen. Wir haben von Grund auf ein völlig anderes Verständnis, ein völlig anderes Verhältnis zu der Rolle von Mann und Frau. Bei uns sind Mann und Frau gleichberechtigt. Das ist hier oft anders. Und ich persönlich musste mich auch erst daran gewöhnen, aber mittlerweile gehört es für mich zu diesem Land. Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, dass die Rolle der Frau in diesem, wie in noch so vielen Ländern der Welt, geändert werden muss. Frauen haben ein Recht darauf, genauso viel Wert zu sein wie Männer. Was gibt einem das Recht, eine Frau als minderwertig anzusehen, als Besitzgegenstand, als jemanden, der nur dafür zuständig ist zu Hause für Ordnung zu sorgen und sich um die Kinder zu kümmern?  
Trotzdem versuchen wir, die Sache wertfrei zu betrachten. Es sind alles wundervolle Leute, die hier leben. Offen, gastfreundlich, tolle Menschen. Sie wurden zu der Einstellung erzogen, die sie vertreten. Religion, Kultur und Tradition spielen hier eine sehr große Rolle.

Da aber leider auch die kleine, erst beinahe zweijährige Tochter der beiden viel im Haus ist und wenig nach draußen kommt, nehmen wir sie oft mit auf den Souk, wann immer wir es schaffen. Wir haben schon ein sehr gutes Verhältnis zu ihr aufgebaut und verbringen gerne Zeit mit ihr. 


Ich bin schon oft zu der Erkenntnis gekommen, dass das was ich hier erlebe einzigartig ist, weil ich die marokkanische Gesellschaft von innen heraus kennenlerne. Damit meine ich, dass ich nicht den Blick als Touri auf die Marokkaner habe, sondern mitten in der marokkanischen Gesellschaft lebe. Das ist es, was die Zeit hier besonders macht. Wir lernen die Leute kennen und erfahren viele interessante Dinge über das Leben hier. So etwas ist unbezahlbar und dieser Austausch ist sehr wichtig. Andere Kulturen kennenzulernen und einen Blick über den Tellerrand zu wagen.




Tiznit


Bis dahin,

-Merle-

Montag, 9. November 2015

#6 Wo ist das Wasser?


Freitag. Unser erster Freitag in Marokko.
Wir sind aufgestanden, haben uns gefreut über das schöne Wetter, hatten geplant, am Strand zu frühstücken und wollten dafür alles Nötige zusammenpacken. 
Wir nehmen also unsere Rucksäcke und packen Badesachen, Handtücher, Früchte, was zu Trinken und alles was wir sonst noch brauchen ein. 
Achso, ja! Am besten gehen alle vorher nochmal aufs Klo. Aber...wieso geht die Spülung auf einmal nicht? Hmm.. Hände waschen? Da kommt auch kein Wasser! Verdammt. HILFE!

Jep, an diesem Tag kam kein Tropfen Wasser mehr aus der Leitung. Weder zum Abwaschen, noch für Klospülungen oder Duschen. In ganz Mirleft wurde anscheinend spontan das Wasser abgestellt. Warum, haben wir nicht herausgefunden. Uns wurde dann erklärt, dass das hier manchmal einfach so ist, den Grund aber oft niemand so genau weiß.
So weit so gut, wir kamen auch ganz gut ohne aus. Trotzdem haben wir alle gehofft, dass das Wasser bald wieder fließt. Da merkt man erst, wie wichtig Wasser ist. Wofür man es braucht und wie selbstverständlich fließendes Wasser aus der Leitung zu Hause in Deutschland ist.
(Zwei Tage waren wir ohne Wasser. Als wir abends zusammen beim Tajine essen saßen und auf einmal die Rohre in den Wänden laut wurden, haben wir uns zunächst nur gewundert, was da für so einen Krach sorgt. Bis ich irgendwann zum Wasserhahn gegangen bin und ihn, ohne große Hoffnung zuerst, aufgedreht habe. Und JUHU! Die Rohre machten so einen Lärm, weil das Wasser wieder floss und wahrscheinlich gerade ganz Mirleft dabei war, zu duschen, zu waschen und aufs Klo zu gehen.)

Ich wohne jetzt mit zwei der Jungs in einer anderen Wohnung, näher am Strand, von einer Freundin, die gerade noch mit ihrer Familie in Deutschland ist. Super nett, dass sie uns ihre Wohnung zur Verfügung gestellt hat, so haben wir in der anderen mehr Platz und können uns generell besser ausbreiten. Aber wir schlafen eigentlich nur getrennt, ansonsten machen wir wie gehabt alle was zusammen. :-)
Da es Freitag war, gab es Couscous zum Mittag. Freitags gehen alle Männer in die Moschee, die Frauen kochen in der Zeit den Couscous, eine Prozedur von bestimmt drei Stunden oder länger. Dazu gibt es gekochtes Gemüse, ähnlich wie bei der Tajine, und Fleisch. Diesmal gab es Kuhkopf. Ja, das war zuerst ungewohnt. Und ich hab mich ehrlich gesagt auch etwas geekelt. Aber ich wollte es auf jeden Fall probieren, auch wenn ich es nicht über mich gebracht habe, die glibberige, ziemlich dicke Haut zu essen. Dafür hab ich wahrscheinlich irgendwas vom Ohr genascht. Jedenfalls meinten sie ich solle einfach mal die Augen schließen und es probieren. Es war irgendwas hartes… und schmeckte wie ungekochte Nudeln, weil es genauso knackte.

Nach dem Essen haben wir beschlossen unsere ganzen Klamotten in die andere Wohnung zu schaffen. Da es zu Fuß ein ganz schöner Weg gewesen wäre, mit Koffern und allem drum und dran, haben wir uns einen Pick-up besorgt. Hinten auf einem Pick-up mitzufahren ist der Hammer!
Abends waren wir beim Souk Fisch essen. Wir mussten uns auf dem Fischmarkt unseren eigenen Fisch besorgen und konnten dann zu einem kleinen Restaurant gehen, das uns den Fisch gebraten und dazu Pommes serviert hat. Außerdem hatten wir frittierten Octupus. Und natürlich wurde alles mit der Hand gegessen. Wie benutzt man noch mal Gabel und Messer? Und was ist ein Teller? 

An unserem ersten Wochenende hier in Mirleft haben wir zu viert (2 Schüler; 2 Lehrer) besprochen, wie wir künftig den Unterricht gestalten wollen. 
(Wir beiden sind keine ausgebildeten Lehrer, das ist klar. Aber wir unterstützen die Jungs in ihren Fächern beim Lehrstoff, so gut wir können. Und das funktioniert wunderbar.) 
Da wir aber bisher keinen vernünftigen Raum für den Unterricht hatten, haben wir beschlossen einen Schreibtisch in Auftrag zu geben, damit wir zumindest einen vernünftigen Tisch zum Arbeiten haben. Die Marokkaner haben nämlich meist nur sehr niedrige Tischchen, an denen es auf Dauer nicht wirklich möglich ist zu schreiben.
Also sind wir zu einer Schreinerei hier im Ort gegangen, um einen Schreibtisch anfertigen zu lassen. (Der Schreibtisch steht mittlerweile und ist echt gut geworden.)

Sonntag waren wir noch am Strand, waren bodyboarden und haben das schöne Wetter genossen.
Als wir abends alle zusammen gesessen und Spaghetti gekocht haben, ist mir wieder aufgefallen, wie schön wir es hier haben. Wir sind schon zusammengewachsen wie eine Großfamilie und das Zusammenleben ist echt entspannt.



Bonne nuit.

Bis dahin,



-Merle-

Mittwoch, 28. Oktober 2015

#5 Blickrichtung: Meer

Salamaleikum!

Mittlerweile haben wir uns schon eingewöhnt, hier in Mirleft. :-)
In den ersten Tagen nachdem wir angekommen sind, hat es sich eher so angefühlt, als sei ich in den Urlaub gefahren. Irgendwie hatte ich noch keine Vorstellung davon, dass ich wirklich für mehrere Monate an diesem Ort bleiben würde. So langsam gewöhne ich mich allerdings an alles hier. Was zuerst seltsam wirkte, wird zur Normalität. 
Frauen, von denen sich die meisten große Tücher umwickeln, empfinde ich schon genauso als „normal“, wie das getrennte Essen zu Hause. Die Männer im einen, die Frauen im anderen Raum.

Wir haben hier in den ersten Tagen schon so viel erlebt, dass ich froh bin, mir alles aufgeschrieben zu haben, sonst würde ich bestimmt die Hälfte vergessen. 
Am Mittwoch sind wir aufgewacht, die Sonne schien und wir waren zwar etwas gerädert, aber gut gelaunt! 
Wir haben uns oben auf die Terrasse gesetzt und in der Sonne mit tollem Ausblick gefrühstückt.



Dann waren wir auf dem Souk und haben Lebensmittel, Lampenschirme, Kissen, Besen und Sonstiges, was man im Haushalt noch gebrauchen könnte, gekauft. Man kriegt dort wirklich alles! 


Nachdem davon alles an Ort und Stelle war, haben wir Pläne gemacht, wie wir das Haus weiterbauen wollen und es bewohnbarer gestalten können. Wir wollen zum Beispiel die Wände, die alle noch einfach weiß sind, in einem schönen Erdton anstreichen und mit Ornamenten verzieren. Wir Frauen waren für pink… aber wir wurden leider überstimmt. (Männliche Familienmitglieder in der Überzahl, grr.)
Eigentlich wollten wir am ersten Tag noch nicht zum Strand, dann hat’s uns aber doch runter zum „Aftas-Beach“ gezogen. Es ist wunderschön dort, und Freunde der Familie führen dort ein kleines Café direkt am Strand, in dem man super marokkanischen Tee, Café au lait, oder Orangensaft trinken und dazu leckere Crêpes essen kann. Und das alles mit Blick auf ein wunderschönes Panorama aus Gebirge, Strand und Meer.







Wir haben nicht lange gewartet und sind mit Bodyboards ins Wasser gerannt. Bodyboarden macht super viel Spaß. Man wartet auf eine Welle, dreht sich mit Blickrichtung zum Strand und wirft sich vor die Welle. Wenn man den richtigen Augenblick erwischt, kann man sich von der Welle bis zum Strand tragen lassen.




Die fremde Kultur haben wir ab Tag 1 mitbekommen. Hier ist halt wirklich vieles anders, als zu Hause in Deutschland. Die unfertigen Straßen und Häuser genauso, wie die Gesellschaft an sich. Die Leute haben hier nicht unbedingt viel, aber das brauchen sie auch nicht. Sie sind trotzdem glücklich. Braucht man denn auch viele Besitztümer, um glücklich zu sein? 

Am Tag darauf sind wir morgens vor dem Frühstück auf einen Hügel gestiegen, den man auch von unserer Terrasse aus sieht. Er hat eine Aufschrift auf arabisch, die so viel bedeutet wie „Gott ist groß“. Auf der Spitze befindet sich eine alte Burgruine, bei der man schön sitzen kann, mit einem wahnsinnigen Ausblick auf ganz Mirleft, die Berge und das Meer.
Wir haben dort oben gefrühstückt, sind dann noch durch die Ruine spaziert und haben die Aussicht genossen. Es wurden Skorpione in einer Flasche gesammelt, die wir dann alle auf einmal wieder frei gelassen haben. 


















Sonja ist noch ins „Hamam“ gegangen, eine Art Dampfbad und ein Ort, an dem man sich waschen lassen kann. Das soll super für die Haut sein, weil die alte Haut abgeschrubbt wird. Ich bin nicht mitgekommen, weil ich noch nicht bereit dazu war, mich von einer marokkanischen Frau abschrubben zu lassen… :-D Aber wer weiß, vielleicht trau ich mich ja noch.
Abends waren wir bei einem sehr guten (weiteren) Freund der Familie, zum Tajine essen eingeladen. 
Eins muss man den Marokkanern lassen: die Tajine haben sie drauf!

Bis dahin, 


-Merle-